Ich bin einer dieser ängstlichen Menschen, deren innere Stimme schon im Bett anfängt zu reden. Eine Sekunde nachdem der Wecker geklingelt hat, öffnet diese Stimme die Augen — zusammen mit mir — und beginnt ihre Tirade.
Heute musst du zur Arbeit. Heute hast du hundert Dinge zu erledigen. Du musst noch die Spülmaschine ausräumen, bevor du gehst, sonst hast du abends die doppelte Arbeit.
Ich spüre die Anspannung in meinen Schultern. In meinem Kopf. In meinem ganzen Körper.
Und so beginnt jeder meiner Tage. Mit Schuld — noch bevor ich irgendetwas getan habe. Schuld, dass es nie genug ist. Schuld, dass wenn ich mir 5 oder 10 Minuten für mich nehme, alles zusammenbrechen wird. Und noch größere Schuld, wenn ich es nicht tue.
Es hat mich Jahre gekostet zu verstehen, dass die Welt nicht auf meinen Schultern ruht. Dass diese Minuten am Morgen heilig sind. Dass ich meinen ganzen Tag verändern kann. Dass selbst die kleinsten Dinge jeden Morgen mein inneres Gleichgewicht regulieren können.
Und das Wichtigste: die kleinen Morgenrituale, die wir ständig für uns selbst tun.
Vorher
Ich stehe früh auf, weil ich um 6 Uhr anfange zu arbeiten. Der Wecker klingelt — und ich drücke Snooze. Der erste Akt der Respektlosigkeit mir selbst gegenüber.
Ich gehe ins Bad, trage Make-up auf und rede mir ein, dass ich die Müdigkeit damit verstecken kann. Jeden Tag sage ich mir, dass mein Lieblingslippenstift leer ist.
Ich gehe in die Küche, mache mir einen doppelten Espresso. Und noch zwei für unterwegs in meinem Thermobecher — weil ich ja so müde bin.
Ich gehe auf die Terrasse, öffne Instagram und scrolle ziellos.
Ich fahre zur Arbeit und sammle irgendwie Kraft.
Die Stimme hört nicht auf.
Und jetzt — meine 5 Morgenrituale
Ich öffne die Augen. Die Stimme ist noch da. Und trotzdem — trotz dieser Stimme — entscheide ich mich für Liebe zu mir selbst. Weil alles am Anfang Anstrengung ist. Wir denken, es ist sooo schwer — aber eigentlich ist es das nicht. Schwer macht es nur diese Stimme in unserem Kopf.
1. Aufstehen, sobald der Wecker klingelt
Ich stehe auf, sobald der Wecker klingelt — um meine 10 Minuten am Morgen zu haben. Nein, das Geschirr in der Spülmaschine ist nicht wichtig. Das Chaos in der Küche ist nicht wichtig.
Ich stehe auf, weil ich wichtig bin. Weil ich es verdiene. Und anstatt mich den ganzen Tag zu beklagen, dass ich keine Zeit für mich habe, schenke ich mir diese 10 Minuten am Morgen, wenn alle noch schlafen.
2. Das Bett machen — meine Seite
Weil dieses Bett meine Seele jeden Abend beherbergt.
3. Affirmationen beim Fertigmachen
Während ich mich schminke, lasse ich Affirmationen laufen, um meinen Tag bewusst zu beginnen. Manchmal halte ich für eine Minute inne und höre einfach zu. Manchmal lasse ich sie einfach im Hintergrund laufen, während ich mir die Zähne putze und mich fertig mache.
Auf meinem YouTube-Kanal findest du geführte Affirmationen, die dich sanft in den Tag begleiten.
4. Warmes Wasser mit Zitrone — und ein Gebet
Ich mache mir eine Tasse warmes Wasser mit Zitrone und einer Prise Salz. Mein Körper braucht keine doppelte Dosis Stress.
Ich stelle die Tasse vor mich hin. Werde still. Atme tief ein. Und spreche ein Gebet.
Manchmal in Gedanken, manchmal laut. Ich lese jeden Morgen Paramahansa Yoganandas Interpretation des Vaterunsers. Du kannst jedes Gebet lesen, das du möchtest. Du kannst dir dein eigenes ausdenken. Du kannst Worte von dir für dich lesen, die dich motivieren. Du kannst zu Gott beten, zu Allah, zu jeder Gottheit, die du fühlst. Du kannst auch zu deinem Engel beten.
Glaub mir — das ganze Ritual dauert nicht länger als drei Minuten. Aber die Verbindung, die du mit dem Unsichtbaren aufbaust, ist unglaublich.
Jeden Tag, während du dein Gebet liest, wirst du Neues in dir entdecken. An manchen Tagen berühren dich die Worte über das tägliche Brot. An anderen die Worte über Vergebung. An manchen Tagen vielleicht — nichts. Oh ja, auch solche Tage gibt es. Lassen wir sie da sein.
Ich trinke mein Wasser, weil ich weiß, dass es gesegnet ist. Von mir — für mich.
5. Die Tür öffnen — den neuen Tag begrüßen
Ich öffne die Terrassentür.
Willkommen, neuer Tag.
So einfache Worte — und doch so voller Möglichkeit.
Willkommen, neuer Tag. Danke, dass ich auch heute die Chance habe, dich zu erleben.
Und so gehe ich zur Arbeit.
Selbst wenn du mal einen Tag auslässt, an dem du dein Ritual nicht machst — umso besser. Du wirst den Unterschied selbst spüren, wenn du dir 10 Minuten schenkst.
Weil du wertvoll bist. Weil du es verdienst. Weil allein die Tatsache, dass es dich heute auf dieser Welt gibt, ein Grund zum Feiern ist.


